Anarchietage in Winterthur 7. - 9. Februar 2020
 
 
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Programm der Anarchietage in Winterthur 2020

Klicke auf die Titel für mehr Infos zu den Veranstaltungen.

Donnerstag 6. Februar 2020

20:00 | Sanatorium
Film: "Gegen den Strom (Kona fer í stríð)" (2018)
Isländische Filmkomödie von Benedikt Erlingsson
Die 50-jährige Halla arbeitet hauptberuflich als Chorleiterin, kämpft jedoch in ihrer Freizeit als Umweltaktivistin gegen isländische Aluminiumhersteller. Dabei greift sie entgegen ihrem ansonsten ruhigen Wesen zu extremen Massnahmen, wie zum Beispiel Vandalismus. Als sie gerade ihre bislang grösste Aktion plant, erhält sie plötzlich Nachricht einer Adoptionsfirma: Ihr lang vergangener Antrag ist bewilligt worden, ein Mädchen aus der Ukraine wartet auf ein neues Zuhause.


Freitag 7. Februar 2020

18:30 | Alte Kaserne
veganer Z'nacht

20:00 | Alte Kaserne
Umweltaktivismus: Status Quo und Perspektiven
Ein Gespräch mit Aktivist*innen
Weitere Infos folgen.


Samstag 8. Februar 2020

10:00 | Alte Kaserne
Netzwerk Elternschaft und Aktivismus
AG Eltern, Workshop
Politisch aktive Eltern und Interessierte vernetzen sich. Weitere Infos folgen.

10:00 | Alte Kaserne
WohnHaft: Kapitalismus und Wohnen.
Disziplinierung, Regulierung und Normalisierung durch die Ordnung des Wohnens

Jürgen Mümken, Vortrag und Diskussion
Die Industrialisierung und die demographische Entwicklung im 19. Jahrhundert stellten die westlichen Gesellschaften vor neue Probleme. Es wurde eine neue Ordnung des Raumes und des Wohnens notwendig. Die Neuordnung des städtischen Raumes und der Wohnung richtete sich auf eine Disziplinierung der Individuen, eine Regulierung der Variablen der Bevölkerung (Geburtenrate, Krankheitsstand und Sterblichkeitsrate) und der Ströme (Ware, Kapital, Arbeitskräfte) und eine Normalisierung. Dazu gehören u.a. die Diskurse über Städtebau, Hygiene, Wohnungsgrundrisse und Siedlungsformen. Die Frage danach, wie Menschen in welchen Räumen leben sollen, beinhaltet aber mehr:
"Beim Problem der Menschenunterbringung geht es nicht bloss um die Frage, ob es in der Welt genug Platz für den Menschen gibt - eine immerhin recht wichtige Frage, es geht auch darum zu wissen, welche Nachbarschaftsbeziehungen, welche Stapelungen, welche Umläufe, welche Markierungen und Klassierungen für die Menschenelemente in bestimmten Lagen und zu bestimmten Zwecken gewählt werden sollten" (Michel Foucault).
Mit dieser Fragestellung beschäftigen sich der Städtebau und der Wohnungsbau bis in die heutige Zeit. Die (post-)moderne Stadt ist eine Stadt der Bewegung bzw. Ströme, d.h. zwangsläufig auch der stetigen Veränderung. Es gibt nicht "die" kapitalistische Stadt und "das" Wohnen im Kapitalismus, sondern die Stadt und das Wohnen sind ständigen Anpassungen an die ökonomischen, gesellschaftlichen, kulturellen und sozialen Entwicklungsdynamiken ausgesetzt.
War der Arbeiter*innen- und Werksiedlungsbau ein paternalistisches Unterfangen "weitsichtiger" Unternehmer*innen oder ging es ihnen um mehr? Gerade zum Beginn der Industrialisierung ging es auch um die Disziplinierung der Arbeiter*innen und deren Familien.
Am Beispiel der Hygienisierung der Wohnung soll die Disziplinierung, Regulierung und Normalisierung von Individuen aufgezeigt werden. Die Hygiene scheint hierfür besonders geeignet, da sie sich - wie die Sexualität und Medizin - in der privilegierten Position zwischen den Individuen und der Bevölkerung, zwischen dem Körper und den globalen Phänomen angesiedelt ist. In den Jahren1880 bis 1930 entstand so der Typ "Sozialwohnung", die den "Sozialen Wohnungsbau" bis in die heutige Zeit prägt. Das "Neue Bauen", der 1920er Jahre wird häufig nur in Zusammenhang mit seiner ästhetik oder sozialen Reformen im Wohnungsbau behandelt, dabei kann gerade hier die Disziplinierung, Regulierung und Normalisierung durch die Ordnung des Wohnens verdeutlicht werden. Die "68er-Bewegung" in den westlichen Industriestaaten ist in diesem Kontext als eine kulturrevolutionäre Bewegung gegen die disziplinierende Normalisierungsgesellschaft zu betrachten. Viele waren auf der Suche nach neuen Lebensformen. Doch stellen die daraus entstandenen neuen Wohnformen wirklich ein Angriff auf das "Normalwohnen" dar, oder sind sie heute nur eine Wohnform unter anderen, die die Ordnung der Gesellschaft weder gefährden noch in Frage stellen. Und welche Funktion hat die Wohnung und das Wohnen im sogenannten Kapitalismus 4.0 und im Zeitalter des Internet der Dinge. Wird aus dem disziplinarischen Wohnen ein kontrollgesellschaftliches Smart Home?

12:00 | Alte Kaserne
veganer Z'mittag

13:30 | Alte Kaserne
Die Kunst des politischen Happenings
Cécile Lecomte, Vortrag und Diskussion
Ob bei direkten Aktionen des zivilen Ungehorsams oder als Journalistin bei der Zeitschrift Graswurzelrevolution: Cécile Lecomte ist seit über 20 Jahren in vielfältiger Art und Weise in Frankreich und Deutschland politisch aktiv. Schwerpunkt ihres Engagement liegt derzeit auf dem Antiatom-Widerstand und der Klimabewegung.
Sie erzählt anhand von kurzen Aktionsvideo, Bildern und Auszügen aus ihrem Buch "Kommen Sie da runter!"* und zeitgeschichtlicher Dokumentation von ihren Erfahrungen, von der Vielfalt von politischem Widerstand und Aktionsformen. "An der richtigen Stelle zum richtigen Zeitpunkt sein, Sand im Getriebe sein; das ist die Kunst des erfolgreichen politischen Happenings!"

* Kommen Sie da runter! - Kurzgeschichten und Texte aus dem politischen Alltag einer Kletterkünstlerin, Verlag Graswurzelrevolution, 978-3-939045-23-6
https://www.graswurzel.net/gwr/produkt/kommen-sie-da-runter, http://www.eichhoernchen.fr

13:30 | Alte Kaserne
Systemwandel statt Klimawandel - konkrete Utopien und Transformationsideen
Katja Einsfeld, Input mit Gruppendiskussionen
Mit den Protesten gegen Klimawandel wurde der Ruf nach Systemwandel wieder lauter. Doch welches System, welche Utopie streben wir an? Welche Antwort haben herrschaftsfreie und dezentrale Gesellschaftsentwürfe auf globale Herausforderungen wie den Klimawandel? Es geht nicht darum, eine Utopie als "die Richtige" darzustellen, sondern durch den Austausch über Utopien, Orientierung für die nächsten politischen Schritte abzuleiten. Nach einem Input zu Utopien freier und solidarischer Gesellschaften ist Zeit für den Entwurf konkreter Utopien und Austausch über Ideen zur Transformation in Kleingruppen.

13:30 | Alte Kaserne
Mapeando cuerpo-territorio - Methoden des Kollektiven Kartographierend von Körper und Territorium
Johanna Leinius, Workshop
"In lateinamerikanischen Kämpfen gegen Bergbau ist die Verteidigung des Körpers und die Verteidigung des Landes eng miteinander verbunden. Bei der Entwicklung von widerständigen Strategien haben Aktivist*innen Methoden entwickelt, die Brücken zwischen Feminismus, ökologie, Natur und bestimmten Gebieten schlagen. Dies ermöglicht es ihnen, aus einer ganzheitlichen Perspektive auf ihre Umgebung zu schauen und darauf aufbauend Praktiken des kollektiven und persönlichen Widerstands zu entwickeln.
Basierend auf dem Leitfaden "Mapeando Cuerpo-Territorio" des lateinamerikanischen feministischen Kollektivs "Miradas críticas del Territorio desde el Feminismo" wollen wir gemeinsam die Räume kartographieren, in denen wir uns täglich bewegen, und reflektieren, inwiefern unsere Sinne und unser Körper in unseren alltäglichen Wegen von Gewicht ist.
Fragen, die wir im Workshop diskutieren, sind unter anderem: Welche Rolle spielt unser Körper im Netz der Beziehungen, die jeder von uns zu anderen Menschen und Orten aufgebaut hat? Wie erleben wir unsere Umgebung durch ihn? Und wie sind unsere Erfahrungen mit Unterdrückung mit bestimmten Orten und Räumen verbunden und wie können wir diese in Widerstand verwandeln?"

16:30 | Alte Kaserne
Die Klimakrise und der Kapitalismus
Gruppe Eiszeit, Vortrag und Diskussion
Bilder von brennenden Wäldern, ausgetrockneten Feldern oder überfluteten Küstenregionen sind allgegenwärtig. Die Klimakrise ist nicht mehr zu leugnen und die Prognosen der ExpertInnen werden immer alarmierender. Viel wird darüber diskutiert, wie sich die Erwärmung auf das globale ökosystem auswirkt und was zu tun wäre. Aber trotz unbestrittener Dringlichkeit und einer immer grösseren Klimabewegung passiert praktisch nichts. Das liegt nicht einfach an der Unfähigkeit oder dem Unwillen der politisch Verantwortlichen, sondern daran, wie der Kapitalismus funktioniert. Wir schauen uns an, wie es dazu kommen konnte, dass menschliche Aktivitäten die Biosphäre an den Rand des Kollapses gebracht haben und warum die Gesellschaft nicht fähig ist, etwas dagegen zu unternehmen. Ein Systemwandel ist nötig. Wir wollen diskutieren, wie ein solcher Wandel aussehen könnte und nach welchen Prinzipien eine ökologische Gesellschaft organisiert sein sollte.

16:30 | Alte Kaserne
Grüne Braune
Peter Bierl, Vortrag
Umweltschutz ist nicht per se links, sondern hat braune Wurzeln und Kontinuitäten. Pioniere waren im deutschsprachigen Raum die Lebensreformer und Heimatschützer.In Deutschland und Österreich bepflanzten sie später die Seitenstreifen von Hitlers Autobahnen mit heimischen Gewächsen, entwarfen Landschaftspläne zur Germanisierung von Lebensraum im Osten oder testeten die biodynamische Landwirtschaft in Konzentrationslagern.
Die AfD agiert antiökologisch und hält den Klimawandel für eine Verschwörung, die SVP hetzt gegen "rot-grüne Klimahysterie", während sich die FPÖ als Umwelt- und Heimatpartei präsentiert. Neonazis siedeln in Randlagen als Biobauern und Ideologen der Neuen Rechten wollen die linke Deutungshoheit in der Umweltfrage brechen, um antisemitische und rassistische Vorstellungen zu verbreiten.
Dabei finden sie Anknüpfungspunkte wie die neue Heimatliebe, die bei Globalisierungskritiker*innen verbreitete Vorstellung, es gelte eine Vielfalt der Kulturen zu bewahren, als handele es sich um vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen, oder die Legende, die Erde sei überbevölkert, die etwa Ecopop in der Schweiz verbreitet. Für manche Tiefenökolog*innen und Biozentrist*innen ist der Mensch ohnehin eine Plage, das Krebsgeschwür der Erde.
Der Vortrag bietet einen Überblick über aktuelle Aktivitäten und Positionen der Rechten im Umweltbereich sowie einen historischen Rückblick. Ausserdem werden ideologische Schnittstellen behandelt, die die Rechte nutzen kann.

Peter Bierl ist freier Journalist, Mitglied der Gewerkschaft Verdi und lebt mit seiner Familie in der Nähe von München. Zuletzt sind von ihm erschienen "Einmaleins der Kapitalismuskritik" (Unrast-Verlag 2018) und "Grüne Braune: Umwelt-, Tier- und Heimatschutz von rechts" (Unrast-Verlag 2014).

18:30 | Alte Kaserne
veganer Z'nacht

21:00 | Helvti
Abendprogramm
mit Feuershow + musikalischer Ausklang


Sonntag 9. Februar 2020

10:00 | Widder
Z'morgez'mittag

11:00
Anarchie und Umwelt
Rolf Cantzen, Ben Milot, Input mit Diskussion
Der Input gibt einen Enblick in verschiedene anarchistische Sichtweisen auf die Umwelt und wirft zur Diskussion Fragen auf wie: Wie schaffen wir es uns selbst (ökologische) Grenzen zu setzen? Welchen Raum lassen wir der "Natur", anderen Tieren und Pflanzen? Wie gehen wir mit globaler Ungleichverteilung von Ressourcen um?
Grundsätzlich als Workshop gedacht, gibt es jeweils zu Beginn einen kurzen Input und anschliessend hauptsächlich Diskussionen in unterschiedlichen Formaten. Trotz eines eher theoretischen Zugangs ist kein Vorwissen von Nöten.

14:00 | Widder
Nachhaltig aktiv bleiben
Timo Luthmann, Vortrag und Diskussion
Die politischen und persönlichen Herausforderungen nehmen für engagierte Menschen stetig zu. Wie können wir - ohne auszubrennen - mit diesen Umständen klug umgehen? Was macht Aktivist*innen wie auch soziale Bewegungen widerstandsfähiger, kreativer und erfolgreicher? Wie sieht es mit der feinen Balance zwischen individueller Selbstverwirklichung und kollektiver Befreiung aus?

Timo Luthmann ist Autor des Buches "Politisch aktiv sein und bleiben. Handbuch Nachhaltiger Aktivismus" (Unrast Verlag). Darin wird erstmals das Konzept Nachhaltiger Aktivismus systematisch dargestellt. In Form eines Handbuchs stellt der Autor verschiedene Ansätze vor, die Aktivist*innen bei der Entwicklung eines langfristigen Engagements helfen. Dabei werden - ausgehend von Situationsbeschreibungen und Grundlagen wie der Psychobiologie von negativem Stress und Trauma oder Burnoutfaktoren - drei Säulen des Nachhaltigen Aktivismus beschrieben: Reflexion, individuelle Resilienzstrategien und kollektive Resilienzstrategien.
Das Handbuch verschafft einen Überblick und stellt Bezüge zwischen den verschiedenen Dimensionen politischer Veränderung her. Ziel ist die Reflexion der eigenen politischen Praxis und die Entwicklung einer hilfreichen Strategie zur Förderung sowohl der individuellen Selbstentfaltung als auch der kollektiven Befreiung.
https://www.unrast-verlag.de/neuerscheinungen/politisch-aktiv-sein-und-bleiben-detail

17:30 | Nord-Süd-Haus
Naturheilkundliche Ansätze für einen autonomen Umgang mit unserer Gesundheit
Eva Maria Backes und Laura Peisker, Vortrag
Können wir selber Krankheit erkennen und eigenständig unsere Gesundheit unterstützen?
Wir möchten einen selbstbestimmten und bewussten Umgang mit Körper und Geist. Wir wollen für uns selbst und unsere Freund*innen, dass wir lange gesund und rebellisch bleiben.
Wie kann ich mich nun in stressigen Zeiten oder bei der Auseinandersetzung mit belastenden Themen und Situationen naturheilkundlich unterstützen? Der Körper zeigt auf verschiedene Art und Weise Überbelastung oder einen Mangel an. Wir zeigen euch deshalb kurz und knackig, wie Symptome erkannt, welche Ursachen den Beschwerden zugrunde liegen können und wie ihr selber mit einfachen Mitteln darauf reagieren könnt. Ausserdem wollen wir auf autonome alternativmedizinische Projekte hinweisen, die Anlaufstelle oder Ideen für weitere Projekte sein können.
Eva Maria Backes (Praxis für Naturheilkunde) und Laura Peisker (angehende Naturheilpraktikerin)


 
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